Gnadenlos auf Tuchfühlung
Ein eindringliches Konzerterlebnis: Astronautalis rappte in der Mälze.
Regensburg.
Zwei Tische, zwei Barhocker, zwei Laptops und zwei Mikrofone: Diese minimalistische Ausstattung reichte dem Rapper Astronautalis und seinem Support Bleubird, um in der Alten Mälzerei eine bemerkenswerte Show abzuliefern. Den Anfang des Konzerts machte Jacques Bruna alias Bleubird – der Amerikaner bot nicht nur ordentlichen Hip-Hop, sondern brillierte darüber hinaus mit amüsanten Anekdoten über das abwechslungsreiche Leben als Rapper. Bleubirds Songs zeichnen sich vor allem durch zwei Eigenschaften aus: durch Texte, die ganz dicht am Alltag dran sind, und durch einen ohrenbetäubenden Bass. Nicht zuletzt sorgten seine launigen Anmoderationen für Heiterkeit im Publikum. Extrabeifall gab’s für „Clean Your Plate“ („Leere deinen Teller“): In diesem Song echauffiert sich Bleubird über dekadente Wohlstandsbürger, die ihren Teller im Restaurant halbgefüllt zurückgehen lassen, während Menschen in anderen Teilen der Welt Hunger leiden.
Der eigentliche Hauptact des Abends, Astronautalis, ebenfalls ein US-Rapper, seit 2003 im Geschäft, hielt sich während der Songs seines Kollegen eher im Hintergrund – abgesehen von der ein oder anderen Vokaleinlage. Auch als er später das Kommando auf der Bühne übernahm, wollte Charles Andrew Bothwell (so sein bürgerlicher Name) nicht so recht ins Klischee vom wilden Rapper passen: Astronautalis ist eher ein Typ wie du und ich, mittelgroß, blond, bekleidet mit Bluejeans und Hemd.
Aus dem Raster fällt auch seine Hip-Hop-Musik: Es geht weder um Gewalt noch um Geld oder um schnelle Autos. Bevor er seine Songs vortrug, dirigierte Astronautalis die Zuschauer ganz nah an die Bühne. Während er mit seiner eindringlichen, rauchigen Stimme rappte, suchte er permanent Tuchfühlung mit dem Publikum – manche Passagen gerieten so fast zum Zwiegespräch mit den Zuschauern.
Besonders amüsant wurde der Abend, als der Amerikaner eine Probe seiner Ortskenntnis zum Besten gab: Er habe gehört, erzählte Astronautalis, es gebe in der Umgebung von Regensburg eine uralte Brücke, etwa 200 Kilometer von hier entfernt. Die Zuschauer nahmen dem sympathischen Musiker diesen Faux-pas nicht übel – nach dem letzten Song wurde derart lautstark Zugabe gefordert, dass Außenstehende davon ausgehen mussten, die an diesem Abend spärlich besuchte Mälze sei ausverkauft. Mit einem Freestyle-Rap über die Steinerne Brücke krönte Astronautalis seinen gelungenen Auftritt.


