Beruf & Karriere 23.01.2012, 11:05 Uhr

Radiomoderatoren brauchen Charisma

Eine gute Stimme ist bei Moderatoren weniger wichtig, als viele denken. Entscheidend sind Witz, Charisma und Allgemeinbildung.


        Radiomoderatoren sollten schlagfertig sein und ein Gespür für andere Menschen haben.

Radiomoderatoren sollten schlagfertig sein und ein Gespür für andere Menschen haben.

Berlin. Die Sprecherzieherin sagt, Joachim Scholl habe nicht die klarste Artikulation. Er selbst findet, er bringt den Buchstaben „S“ nicht richtig heraus. Trotzdem sitzt Scholl seit inzwischen 20 Jahren als Moderator vor dem Mikrofon. Denn er kann etwas, was für einen Radiomoderator viel wichtiger ist, als fehlerfrei einen Text vorzulesen: „Er hat die Begabung, mit Menschen ein gutes Gespräch zu führen“, sagt Heike Martin, Sprecherzieherin beim Deutschlandradio. Und deshalb hört man ihm gerne zu.

Drei Sendungen moderiert Scholl, 51, derzeit im Deutschlandradio: Er macht mit anderen Moderatoren im Wechsel das Magazin Radiofeuilleton, das unter der Woche von 9.00 bis 12.00 Uhr läuft. Er macht eine Talksendung in der Nacht, in der Gäste zu einem aktuellen Thema anrufen können. Und er hat eine Interviewsendung, in der er einen Gast 90 Minuten lang befragt. Scholl hat viel Routine als Moderator. Trotzdem, sagt er, hat er immer noch ein Kribbeln im Bauch, wenn im Studio das rote Licht angeht und er wieder auf Sendung ist.

Auf Sendung sein: Davon träumen viele junge Menschen. Denn der Beruf des Radiomoderators hat etwas Glamouröses. „Am Mikrofon sitzen ist, wie auf der Bühne zu stehen. Man hat ein Publikum und wird gehört“, sagt Sprecherzieherin Martin. Und spannend ist es in jedem Fall: Radiomoderatoren treffen im Laufe ihrer Zeit durch ihre Sendung viele interessante Menschen. Sie haben mit immer neuen Themen zu tun. Und irgendwie scheint es auch leicht verdientes Geld zu sein: So drauflos zu quatschen im Radio, kann schließlich nicht besonders schwer sein, mag mancher denken.

Es ist Freitag, 11.52 Uhr. Acht Minuten dauert Scholls Sendung noch. Dann ist die dreistündige Sendung für heute geschafft. Scholl sitzt in einem kleinen, vielleicht zehn Quadratmeter großen Raum an einer Art Konferenztisch. Vom Technikerraum aus kann man ins Studio durch eine Glasscheibe in der Wand hineinsehen. Das Gesicht des Moderators erkennt man kaum. Denn es wird von einem Mikrofon verdeckt, das an der Decke hängt. Auf den Ohren klemmen Kopfhörer.

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